Bildung des Konjunktivs Präsens im Lateinischen
Der Konjunktiv Präsens ist eine Verbform des Lateinischen. Er wird sowohl in Hauptsätzen als auch in Nebensätzen verwendet. Seine Bildung richtet sich nach der Konjugation des Verbs: Bei Verben der a-Konjugation verändert sich der Stammvokal zu e; bei den übrigen Konjugationen steht vor den Personalendungen ein a.
Die Bildung im Aktiv
Der Konjunktiv Präsens Aktiv wird aus dem Präsensstamm und den Konjunktivzeichen e oder a gebildet. Daran treten die Personalendungen des Aktivs:
- -m
- -s
- -t
- -mus
- -tis
- -nt
Die Formen der vier regelmäßigen Konjugationen sehen so aus:
| Konjugation | Infinitiv | Konjunktiv Präsens | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| a-Konjugation | amare | amem, ames, amet … | ich möge lieben, du mögest lieben, er/sie/es möge lieben … |
| e-Konjugation | monere | moneam, moneas, moneat … | ich möge mahnen, du mögest mahnen … |
| konsonantische Konjugation | regere | regam, regas, regat … | ich möge lenken, du mögest lenken … |
| i-Konjugation | capere | capiam, capias, capiat … | ich möge fassen, du mögest fassen … |
| i-Konjugation | audire | audiam, audias, audiat … | ich möge hören, du mögest hören … |
Die vollständige Reihe von amare lautet: amem, ames, amet, amemus, ametis, ament. Bei Verben der a-Konjugation wird also das a des Präsensstamms zu e. Bei den anderen Konjugationen erscheint vor der Personalendung ein a, zum Beispiel mone-a-m oder reg-a-m.
Die Bildung im Passiv
Im Passiv bleibt das Konjunktivzeichen gleich. Statt der Aktivendungen verwendet man die Personalendungen des Passivs: -r, -ris, -tur, -mur, -mini, -ntur.
Beispiele:
- amer, ameris, ametur – ich möge geliebt werden, du mögest geliebt werden, er/sie/es möge geliebt werden
- monear, monearis, moneatur – ich möge ermahnt werden, du mögest ermahnt werden …
- regar, regaris, regatur – ich möge gelenkt werden, du mögest gelenkt werden …
Wichtige unregelmäßige Formen
Einige häufige Verben bilden den Konjunktiv Präsens unregelmäßig. Besonders wichtig ist esse („sein“):
sim, sis, sit, simus, sitis, sint – ich sei, du seiest, er/sie/es sei …
Auch posse („können“) ist häufig:
possim, possis, possit, possimus, possitis, possint – ich könne, du könnest, er/sie/es könne …
Verwendung des Konjunktivs Präsens
Die Form wird nicht immer wortwörtlich mit „möge“ übersetzt. Welche Bedeutung passt, hängt vom Satz und vom Zusammenhang ab.
Wunsch oder Aufforderung
In einem Hauptsatz kann der Konjunktiv einen Wunsch oder eine Aufforderung ausdrücken:
- Vivat rex! – Es lebe der König!
- Amemus patriam! – Lasst uns das Vaterland lieben!
Zwecksätze mit ut und ne
Ein Zwecksatz beschreibt, mit welcher Absicht etwas geschieht. Er wird mit ut („damit“) oder ne („damit nicht“) eingeleitet:
- Discipuli laborant, ut discant. – Die Schülerinnen und Schüler arbeiten, damit sie lernen.
- Festinat, ne sero veniat. – Er/Sie beeilt sich, damit er/sie nicht zu spät kommt.
Aufforderungen in Nebensätzen
Nach Verben des Bittens, Befehlens oder Überredens steht häufig ein ut– oder ne-Satz mit Konjunktiv:
- Magister discipulos monet, ut diligenter laborent. – Der Lehrer ermahnt die Schülerinnen und Schüler, fleißig zu arbeiten.
- Mater filium rogat, ne discedat. – Die Mutter bittet ihren Sohn, nicht wegzugehen.
Merktipp
Für die Bildung hilft folgende Faustregel: Bei Verben der a-Konjugation wird das a zu e (amare → amem). Bei den übrigen Konjugationen steht meist ein a vor der Personalendung (monere → moneam, regere → regam, audire → audiam). Anschließend werden die passenden Aktiv- oder Passivendungen angefügt.
9 Tipps zur Bildung des Konjunktiv Präsens im Lateinischen
- Bilde den Konjunktiv Präsens vom Präsensstamm.
- In der a-Konjugation wird das a zu e
- In den übrigen Konjugationen steht meist ein a
- Auch die 3. Konjugation bildet das Präsens mit a
- Bei der 3.-io- und 4. Konjugation gilt ebenfalls a
- Aktive Endungen
- Beispiel aktiv
- Passive Endungen
- Lerne esse besonders
Bilde den Konjunktiv Präsens vom Präsensstamm.
Der Konjunktiv Präsens wird grundsätzlich vom Präsensstamm gebildet. Dabei erhält der Stamm je nach Konjugation ein besonderes Kennzeichen: Bei Verben der a-Konjugation wird das „a“ zu „e“ (zum Beispiel amare → amem), während bei den übrigen Konjugationen meist ein „a“ vor die Personalendung tritt (monere → moneam, regere → regam). An dieses Kennzeichen werden anschließend die passenden Personalendungen angefügt.
In der a-Konjugation wird das a zu e
Bei Verben der a-Konjugation wird zur Bildung des Konjunktivs Präsens das Stammvokal-a durch ein e ersetzt. Anschließend werden die Personalendungen angefügt. So wird aus dem Infinitiv amare („lieben“) die Form amem („ich möge lieben“); die vollständige Reihe lautet amem, ames, amet, amemus, ametis, ament.
In den übrigen Konjugationen steht meist ein a
Bei Verben der e-, konsonantischen und i-Konjugation steht im Konjunktiv Präsens meist ein a vor der Personalendung: moneam (ich möge mahnen), regam (ich möge lenken) und audiam (ich möge hören). Bei der i-Konjugation bleibt das i des Stamms erhalten, daher entsteht die Folge ia.
Auch die 3. Konjugation bildet das Präsens mit a
Bei der Bildung des Konjunktivs Präsens ist die 3. Konjugation eine wichtige Ausnahme: Sie verwendet das Konjunktivzeichen -a-, zum Beispiel regere → regam, regas, regat („ich möge lenken“, „du mögest lenken“, „er/sie/es möge lenken“). Das gilt für den Konjunktiv Präsens – nicht für das Indikativ Präsens, in dem die Formen etwa rego, regis, regit lauten.
Bei der 3.-io- und 4. Konjugation gilt ebenfalls a
Bei der 3.-io- und der 4. Konjugation gilt ebenfalls die Regel mit dem Konjunktivzeichen a: Es steht vor der Personalendung. So wird aus capere der Konjunktiv Präsens capiam („ich möge fassen“) und aus audire audiam („ich möge hören“). Merke: Nur bei der a-Konjugation wechselt das Stammvokal-a zu e; bei den übrigen Konjugationen erscheint ein a.
Aktive Endungen
Im Konjunktiv Präsens Aktiv stehen dieselben Personalendungen wie im Indikativ Präsens Aktiv: -m, -s, -t, -mus, -tis, -nt. Sie werden an den Konjunktivstamm angefügt, zum Beispiel bei amare: amem, ames, amet, amemus, ametis, ament („ich möge lieben“ bis „sie mögen lieben“). Merke: Die Endungen zeigen, wer die Handlung ausführt; das Kennzeichen des Konjunktivs steht davor.
Beispiel aktiv
Ein Beispiel für den Konjunktiv Präsens Aktiv ist das Verb amare („lieben“): Die Formen lauten amem, ames, amet, amemus, ametis, ament und bedeuten je nach Zusammenhang „ich möge lieben“, „du mögest lieben“ und so weiter. Bei Verben der a-Konjugation wird das Stammvokal-a zu e, bevor die Aktivendungen angefügt werden.
Passive Endungen
Bei der Bildung des Konjunktivs Präsens Passiv bleiben die Konjunktivzeichen gleich; geändert werden die Personalendungen. Anstelle der Aktivendungen treten die Passivendungen -r, -ris, -tur, -mur, -mini und -ntur. So wird aus amem („ich möge lieben“) die Form amer („ich möge geliebt werden“) und aus regat („er/sie/es möge lenken“) wird regatur („er/sie/es möge gelenkt werden“).
Lerne esse besonders
Lerne den Konjunktiv Präsens von esse („sein“) besonders gut, denn das Verb ist häufig und bildet seine Formen unregelmäßig: sim, sis, sit, simus, sitis, sint. Wiederhole die Formen am besten laut und präge dir die Stammfolge si- ein, damit du sie beim Übersetzen schnell erkennst.

